Praxistest – Polestar 2

Die Marke Polestar geht ursprünglich auf ein Rennsportteam zurück.

Wir durften 14 Tage den in Österreich neuen Polestar 2 testen. Was unterscheidet dieses Auto von anderen? Ist es die gewaltig anmutende Kraft des Fahrzeugs, gepaart mit der Spannung auf etwas Neues, Unerwartetes? Oder die großartige Kombination aus Design, Stärke und Innovation? Wir wissen es nicht. Aber: die Menschen drehen sich um. Sie schauen sehr interessiert. Alle – von Kind bis Mann. Neidische Blicke überall. Wäre er doch nur schon meiner…

Der zweite Stern am Firmament leuchtet noch stärker in Sachen Elektromobilität als der Vorgänger (dieser ist ein Hybrid – und zudem der schönste überhaupt).

Der Polestar 2 verfügt über eine Länge von rund 4,61 Metern, womit er sich irgendwo zwischen Kompakt-SUV und Mittelklasse einsortiert. Durch den Mix verschiedener Fahrzeugtypen kann das Modell getrost als Elektro-Crossover betitelt werden. Doch was steckt eigentlich alles im Polestar 2?

Von einem reinen SUV würde man beim Polestar 2 vermutlich nicht sprechen. Die die leicht erhöhte Bodenfreiheit, die leicht abgesetzte Beplankung oder die erhöhte Sitzposition an eine Mischung aus Stufenheck-Limousine und Crossover erinnert.

Wir durften aufgrund der tollen Herbstfarbenzeit – hier sind Blätter gleich den Bremsen und den Sicherheitsgurten… – die wunderbare Tanja als Model buchen.

Nur unter uns: sehr gerne nimmt sie weitere Aufträge an – ihre Profile sind hier ersichtlich: Facebook, Instagram – danke, Tanja, es hat uns sehr viel Freude bereitet!

Der Polestar2 sieht elegant und gefällig aus, zeigt an der Front immer noch Ähnlichkeiten zu einem Volvo. Dies zeigt sich was insbesondere am Frontgrill sowie den Scheinwerfern mit dem unverkennbaren LED-Tagfahrlicht im Thors-Hammer-Style.
Ausgestellte Radhäuser mit gewaltigen 20-Zoll-Rädern darin bezeugen das Potenzial dieses Protagonisten. Leuchtende Bremssättel mit 6 Kolben. In der gehobenen Mittelklasse einfach ein Traum an optischer Dynamik.

Da der Wagen dazu auch noch über die Pixel-LED-Scheinwerfer verfügte, gab es beim Fahrzeug entriegeln auch ein ähnliches Lichtspiel vorne. Thors Hammer im Scheinwerfer, sehr überzeugend.

Diese Außenspiegel: absolut klasse. Unfassbar edel: ohne Rahmen. Verstellt man den Spiegel, verstellt sich das gesamte Gehäuse – genial.

Innen

Ein Blick in den Innenraum des im chinesischen Chengdu gebauten Autos mit skandinavischer DNA, offenbart eine hochwertige, angenehm kühl wirkende und in Summe auf das Wesentliche reduzierte Atmosphäre. Die Materialauswahl ist in Summe wertig, deren Verarbeitung gut. Die goldgelben Gurte spendieren einen aufmerksamkeitsstarken Kontrast in das ansonsten eher introvertiert wirkende graue Interieur. Das sehr große Glasdach ist ein großartiges Highlight – im wahrsten Sinne des Wortes: und wie auch immer es geschafft wurde, es wird nicht heiß im Auto – trotz direkter Sonne von oben.

Eine nach vorn ansteigende Mittelkonsole beherbergt einen großen schrägstehenden Zentralbildschirm und der Fahrerblick fällt auf ein volldigitales Cockpit, während die Hände auf einem gut gepolsterten, mit weichem Leder bezogenen Lenkrad ruhen.

Die Sitze sorgen mit ihrer prägnant geformten Konturierung für viel Halt und die angenehm straffe Polsterung lässt auch stundenlange Fahretappen an den Insassen förmlich abperlen. Wer im Polestar 2 einen Startknopf sucht, wird erfolglos bleiben. Das E-Auto startet automatisch – so wie im Volvo XC40 Recharge.

Dynamik und Fahrleistung

Das Fahrverhalten des Schweden ist erstklassig, weil enorm neutral und sehr gutmütig abgestimmt. Im Sportmodus wird das ohnehin recht straff abgestimmte Fahrwerk dank Performance-Paket kompromisslos und lässt jeden Verdacht von Nick- oder Wank Bewegung im Ansatz verpuffen.

Der Testwagen besaß die Dual-Motor-Ausstattung, welche aus zwei Elektromotoren, sogenannten Permanent-Synchronmaschinen besteht, die jeweils eine Achse antreiben. In Summe leistet der Schwede 408 PS und stemmt 660 Newtonmeter an alle Viere. Beschleunigung absolut high end, wirklich – und das immer wieder abrufbar.Einfach ein Polarstern: sportlich und kompromisslos!
Mit dieser Leistung legt der Skandinavier bei Bedarf enorm nachdrücklich los, erreicht nach nur 4,7 Sekunden die 100-km/h-Marke und beschleunigt weiter bis zu 205 km/h. Das ist insgesamt marginal schneller als ein Jaguar i-Pace

Das Rekuperieren ist sehr ordentlich und reicht absolut, um ohne Bremspedalnutzung fahren zu können im Alltag. 22-fach (!) einstellbare Öhlins-Dämpfer lassen hier Zug- und Druckpunkt nach eigenem Gusto einstellen, wodurch zart besaitete Naturen die von Haus aus verordnete Straffheit etwas entschärfen können.

Die Lenkung vermeldet gutes Feedback, hält sich nur in Neutralstellung etwas zurück. Im Sportmodus ist dies aber vernachlässigbar. Das Bremsverhalten erwies sich in allen Fahrsituationen als erstklassig, der Switch zwischen Rekuperation und mechanischer Energievernichtung ist nicht spürbar. Zudem ist auch die Standfestigkeit der Brembo-Bremsanlage vorbildlich. Bei Bedarf wird hier mit bis zu 100 kW rekuperiert.

Das Traktionsvermögen ist beeindruckend, die Leistung wird dank ausgeklügelter elektronischer Verteilung sehr souverän auf die Straße gebracht.

Wo der Model 3 rahmenlose, sicher optisch schöne Scheiben und somit Türen hat, ist es im Polestar massiver mit Scheibenrahmen – aber eben auch viel leiser.

Aufladen, Reichweite und Verbrauch

Mit aktiviertem One-Pedal-Drive auf Stufe Standard kamen wir auf 19, x kWh, sehr nahe der 20 kWh. Ganz ohne eigenes Rekuperieren lag der Cityverbrauch bei 14,7 kWh.Als Energiespeicher kommt in diesem Fahrzeug ein Lithium-Ionen-Akku zum Einsatz, der von 78 kWh Bruttokapazität 72,5 kWh reell zur Verfügung stellen kann. Geladen wird der Polestar 2 entweder über den CCS-Schnelllade-Anschluss mit einem Ladestrom von bis zu 150 kW.

 An der DC-Schnellladebox ist der geleerte Akku in rund 45 Minuten wieder bei 80 Prozent seiner Kapazität. Nachdem wir den Polestar komplett geladen haben, prophezeit uns das System eine Reichweite von exakt 400 Kilometern.

Resümierend heißt das, dass die angegebene Reichweite von 480 Kilometern in der Praxis unerreichbar bleibt. Selbst wer knapp an die 400 Kilometer kommen will, muss Autobahnen und Schnellstraßen komplett meiden.

Ausstattung

Der Polestar 2 besitzt eine umfangreiche Serienausstattung, die mittels drei Paketen nochmals ordentlich aufgestockt werden kann. Im Testwagen gab es da beispielsweise die hervorragenden Pixel-LED-Scheinwerfer mit einem hellen und vollkommen homogenen Lichtteppich. Der Lenkassistent funktioniert jedoch nur bis 135 km/h.

Beim Infotainment handelte es sich um ein integriertes Android Automotive Betriebssystem mit Google-Anbindung, welches viele Vorteile mit sich bringt, wie die überaus zuverlässige Anzeige der aktuellen Verkehrssituation oder der enorm treffsicheren Zieleingabe per Sprachsteuerung, die auch POIs oder rein namentlich benannte Ziele verblüffend genau erkennt.

Darüber hinaus wird diese Funktionalität mit den Parametern des Autos verknüpft und Google berechnet daraus eine überraschend exakte Routen- und Ladeplanung, berücksichtigt dabei die Fahrweise, den Akkustand und vieles mehr. Laut Google wird es hier zukünftig noch viele weitere Vorzüge geben. Eine Buchungsmöglichkeit freier Ladesäulen auf der Strecke beispielsweise, wodurch man die aktuelle Grauzone beim Suchen nach Lademöglichkeiten in der Fremde verlässt und stets eine verlässliche Lademöglichkeit vorfinden würde.
Die Verarbeitung und vor allem die Haptik im Innenraum war wirklich faszinierend. Allein wie massiv sich die Luftdüsen und dessen Versteller gegeben und angefühlt haben – grenzgenial!

Ansonsten gab es kaum Anlass für Kritik. Die Sitzheizungen erwärmten zügig und homogen, was auch für die dreistufige Lenkradeizung gilt. Die Klimatisierung blieb durchgängig zugfrei und dank 360-Grad-Kamerablick mit hochaufgelöstem HD-Bild inklusive vier weiteren Kameraperspektiven gelingt auch jeder Parkvorgang sehr einfach.
Für die musikalische Unterhaltung sorgte derweil ein Harman/Kardon Soundsystem, dessen Klang als natürlich warm beschrieben werden kann.

Unser Testfahrzeug war ein Polestar 2 der Launch Edition mitLong Range Dual Motor Dieser hat bereits das Plus und Pilot Paket inkludiert und ist unter polestar.com/at als vorkonfiguriertes Fahrzeug verfügbar. Kunden finden hier somit ein umfangreich ausgestattetes Auto, welches auch innerhalb von ca. 3 Wochen ausgeliefert werden kann. Wer ein Fahrzeug selbst konfigurieren möchte, kann dies ebenfalls über die Website polestar.com/at tun und zwischen dem Long Range Dual Motor als auch dem Long Range Single Motor sowie diversen Ausstattungen wählen. Die Produktion und Lieferzeit beträgt dann rund 3 Monate.


Fazit – Ein heller Stern

Der Polestar 2 ist ein ungemein fahraktives Auto, bei dem Nutzwert, Verarbeitung und ein erstklassiges Infotainment den Schweden weit nach vorne bringen.

Enormer Fahrspaß, mit Sportwagenambitionen, optisch und fahrtechnisch absolut ein Performance Fahrzeug.