Spinnen die Finnen?

Viele Städte lahmen noch – Helsinki prescht vor.

Die Zukunft im Bereich urbaner Mobilität ist die Herausforderung, welcher wir zukünftig clever begegnen müssen.

Staus, dicke Luft, chaotischer ÖPNV: Für Antworten lohnt sich ein Blick in Finnlands Hauptstadt. Die Smart City Helsinki macht vor, wie Städte ihren Verkehr digital und damit auch nachhaltiger regeln können.

Mit einem sehr innovativen Konzept der Smart City ist Helsinki zum Pionier des urbanen Lebens geworden. Architekt und Stadtplaner Tuomas Hakala hat sich als Leiter eines Stadtviertels zum Beispiel komplett von Müllautos verabschiedet. Die Einwohner werfen ihren Abfall in Sammelstationen. Dort wird dieser unbemerkt per Druckluft durch ein unter- irdisches Rohrsystem entsorgt.

Autonome Busse sind hier längst die Gegenwart

Ein weiteres Konzept der Smart City macht es möglich, dass sich alle Transportmöglichkeiten ganz einfach per App nutzen lassen. Dafür steht eine hochmoderne Flotte autonom fahrender Busse zur Verfügung. Diese erfassen mit Laser und Radar die vor ihnen liegende Strecke und navigieren auf diese Weise eigenständig durch den Verkehr.

2025 schließlich so nach den ehrgeizigen Plänen der Finnen ganz Helsinki autofrei sein. Auch die Wohnungen in Kalasatama sind vernetzt. So lassen sich Licht, Heizung oder Sauna von unterwegs aus einfach mit dem Smartphone steuern, während zugleich Energie eingespart wird.

All diese technischen Innovationen schenken den Einwohnern unterm Strich eine ganze Stunde Zeit am Tag.

Die verantwortliche Verkehrsplanerin Sonja Heikkilä erklärte dazu bereits 2015 in einem Interview mit Spiegel Online: „Es geht ja nicht darum, ein Auto zu haben, sondern darum, möglichst gut von A nach B zu kommen“

Dafür sollen die Helsinkier ihre Verbindung und Transportmittel künftig per App wählen können und sich dann je nach Lust, Laune, Wetterlage, Gepäck, Tageszeit sowie aktuellem „Fahrgast “aufkommen entweder mit dem Carsharing-Auto, Mietwagen, dynamischer Bus- und Bahnverbindung oder auch Fahrrad auf den Weg machen. Selbst autonome, untereinander vernetzte Elektroautos sollen Teil des Transportnetzes werden. So wird jede Fahrt individuell auf die Bedürfnisse des Reisenden zugeschnitten, um diesen schnell und möglichst effizient, also ohne lange Wartezeiten, an sein Ziel zu bringen.

Carsharing, Mieträder und Nahverkehr – alles in einem Dienst

Die finnische Hauptstadt hat mit „MaaS – Mobility as a Service“ denn auch ein Konzept entwickelt, das die Mobilität in Großstädten revolutionieren könnte. Dabei steht Mobilität als Dienstleistung im Zentrum.

Dem geneigten Skeptiker wird gesagt: alle Angebote sollen über nur ein einziges System in die eigene Route eingeplant und auch über dieses einzigartige System bezahlt werden. Statt einer Vielzahl an Abos und Karten könnten nach dem Helsinkier Modell künftig all diese Dienste in einem zusammengefasst werden.

Dass die Smart City Helsinki bei der Entwicklung moderner Mobilitätskonzepte weit vorne mitmischt, ist natürlich kein Zufall. Denn die Stadtverwaltung unterstützt diese Entwicklungen tatkräftig. So gibt es mit dem Forum Virium Helsinki eine eigene „Taskforce“ für diese innovativen Mobilitätslösungen verschrieben hat. Stadt und Firmen arbeiten hier Hand in Hand.

Auch Bürger werden gehört und können Ihre Ideen und Vorschläge einbringen. Ganz nach dem Motto: alle zusammen für eine bessere Zukunft!

Bis 2025 soll ein Drittel aller öffentlichen Busse in der Hauptstadtregion elektrisch fahren. Zum Vergleich: Anfang 2019 waren in ganz Deutschland lediglich 228 reine E-Busse zugelassen.

Grüne Welle statt Emissionen

Bei ÖPNV und Elektromobilität geht Helsinki jeweils mit gutem Beispiel voran. 5G-Netzwerke werden zum Nutzen der Smart Mobility Lösungen stetig ausgebaut. So werden im Hafen der Stadt alle Verkehrsströme mit smarter Technologie umfassend analysiert und Schiffe beim Einlaufen mit möglichst wenig Zeitverlusten geleitet. Gleichzeitig erhalten Lastentransporter bis zur Autobahn an den Ampeln eine „grüne Welle“ – eine simple Art, Emissionen zu reduzieren.

Der offene uns smarte Umgang mit Daten ist in Finnland üblich. Jeder kennt die Steuern seines Nachbarn. Für hiesige Datenschützer ein eher abschreckendes Szenario. Jedoch sind exakt diese Daten der Antriebsstoff für die digitale Vernetzung der Smart City Helsinki.

Ein weiteres Projekt mit Belohnungscharakter verdeutlicht die smarte und typisch finnische Denkweise:

Im Rahmen der Initiative Mobility Urban Values (MUV) können Einwohner sich ein Game für die jeweils genutzte Fortbewegungsmethode auf ihr Smartphone laden. Über ein Punktsystem kann man sich so beispielsweise einen kostenlosen Besuch einer Sauna erspielen.

Fotos by BYD sowie Unsplash

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