Praxistest Volvo V90 Cross Country 2021

Ein Offroad Kombi wie aus dem Bilderbuch – mit Ecken und Kanten

Volvo durfte sich als einer der ersten Hersteller rühmen, noch lange vor dem SUV Hype in den späten 1990er Jahre ihre Offroad-Varianten vorzustellen. Wie in den Vorgängerversionen zeigt sich der Cross Country auf den ersten Blick in bestechender Form.

Wir testeten das Modell V90 Cross Country B5 mit dem Mild- Hybrid unterstützen 235 PS starken Diesel. Ja. richtig gelesen, auch ein Diesel wird hier erwähnt. Warum? Weil wir die Verkehrs- und Mobilitätswende rasch schaffen müssen. Und Volvo ist insgesamt auf einem sehr guten Weg. Nur wissen das viele noch nicht. Wir möchten daher auch solche Fahrzeuge in den Fokus bringen, damit die Skeptiker mit an Bord sein können.

Der Cross Country sticht mit seinem Design komplett aus der Masse der Kombis heraus. Ästhetisch steht er bei seiner Abholung da. So, wie man sich eben einen echten Volvo heute vorstellt. Groß, stark und sicher.

Anfang 2020 wurde die aktuelle Variante technisch etwas modifiziert. Der Laie bemerkt die Änderungen kaum, der Kenner bereits mit zweitem Blick. So zeichnen die Bezeichnungen zwar noch für unklare Konstellation, ob es sich jeweils um einen Benziner oder Diesel handelt. So sind die jeweiligen Basis Motorisierungen im jeweiligen Benzin- oder Dieselaggragat identisch. Gleichzeitig spielt Volvo so in der oberen Mittelklasse in allen Varianten mit. Limousine, Kombi oder eben Cross Country; für jeden Wunsch ist ein passendes Model dabei. Außer ein Plug- In Hybrid.

Volvos Oberklasse zeigt sich bereit für die Ausfahrt ins Gelände. Plastikbeplankte Kotflügel, angedeuteter Unterfahrschutz und zusätzliche Bodenfreiheit machten den V90 Cross Country fit für unsere Fahrten, tweilweise auch auf unasphaltiertem Terrain. Veränderte Nebelscheinwerfer und eine im unteren Bereich überarbeitete Fronttoßstange sowie einen leicht adaptierten Spoiler sowie ein neues Leuchten Design am Heck zeugen vom neuen Modeljahr.

Neben der neuen LED-Grafik gibt es nun auch dynamisches Blinklicht. Das Interieur erhält gleichfalls Feinschliff im Detail, der sich durch ein optimiertes Audiosystem und ein erweitertes Luftqualitätssystem auszeichnet. Jenes soll nach Angaben von Volvo selbst kleinste Partikel herausfiltern. Das abermals modernisierte – nun mit Google verbundene Infotainmentsystem – wertet die Technik nochmals auf.

Unter der Haube agieren jeweils hochmoderne, aber mit wenig Hubraum versehene Motoren. Diese werden jeweils aktiv von einem 48-Volt-Mild-Hybrid-System unterstützt. Ein durchzugsstarker Motor, ohne Allüren, meist ohne Emotion – ständig aber mit einer Leistungsreserve für Berg oder Überholmanöver. Im Normalfall säuselt der Vierzylinder-Turbo leise vor sich hin, drängt sich allerdings bei höheren Drehzahlen leicht in den Vordergrund. Wenngleich die zwei Liter Hubraum für den alltäglichen Verkehr vollends ausreichend sind – zum V90 Cross Country würde auch aufgrund der Fahrzeuggröße sehr gut ein mehrzylindriger Motor passen.

Schaut man sich die Konfiguration bei Volvo allerdings genauer an, bemerkt man die fehlende Plug-In Hybrid Versionen beim Cross Country. Seit dem Facelift war es dem chinesisch- schwedischen Unternehmen wichtig, den Aufwärtstrend in Bezug auf Klasse und Verkaufszahlen stetig hochzuhalten.

Die drei Benziner- und die zwei Dieselmotoren tragen teils identische Kürzel. Egal, welche Bezeichnung m Heck zu lesen ist: 1.969 cm³ messen die Brennkammern in allen sieben angebotenen Antriebsvarianten. Ob Diesel oder Benziner.

Als Grundlage dient jeweils ein kleiner, 10 kW und 40 Nm starker Elektromotor, eine 48-Volt-Batterie sowie ein Wandler. Der E-Motor ist als integrierter Starter-Generator in mehreren Funktionen im Einsatz. So hilft dieser den Verbrennungsmotoren, jeweils sanft zu starten und ebenso sanft anzufahren. Als Generator übernimmt er die Aufgabe, die Energie zu rekuperieren, die sonst beim Bremsen und Verlangsamen verloren geht. Gespeichert wird diese Energie im kleinen Akku, der sie dem E-Motor zur Anfahr- und Starthilfe wieder zur Verfügung stellt. Der Wandler sorgt schließlich dafür, dass die Energie reibungslos zwischen den verschiedenen Verbrauchern hin- und hergeschickt werden kann.

Theoretisch soll so ein Mehr an Leistung beim Beschleunigen, eine geringere Motorlastals auch einniedrigerer Kraftstoffverbrauch erreichbar sein. Wir hatten auf unserer zweiwöchigen Ausfahrt einen Verbrauchsschnitt von 7,6 Litern Diesel.

Die Vorzüge des neuen Mild-Hybrid-Motors im B5 AWD mit dem 235 PS und 400 Nm starken und damit stärksten Diesel im Sortiment wurden schnell deutlich.

Unser erster Eindruck: Der Vierzylinder Common-Rail-Diesel beschleunigt die 1,9 Tonnen des V90 wie eh und je. Der Eindruck wird von der Stoppuhr bestätigt: exakt 7,2 Sekunden dauert der Beschleunigungsvorgang von 0 auf 100 km/h – der Vorgänger D5 benötigte genauso lange, kam aber anfangs etwas träger weg.

Der feine Unterschied lag in der tatsächlich feinfühligeren und spontaneren Anfahrt.

Die spürbarste Abweichung liefert für uns somit nicht der Mild-Hybrid-Motor selbst, sondern die im Zuge der Hybridisierung überarbeitete 8-Gang-Automatik “Geartronic”. Sie arbeitet nicht länger mechanisch – die Schaltbefehle werden elektronisch, also umgangssprachlich per “Shift-by-Wire”, übermittelt. Der Umstieg auf die flinken Elektronen als Botschafter unserer Schaltwünsche erhöht sowohl die Schaltgeschwindigkeit ebenso wie den Schaltkomfort.

Der Selbstzünder wird aktuell als Euro-6d-temp-Motorn ausgewiesen; die drei Ottomotoren genügen hingegen bereits der Euro-6d-Norm-. Ihre Vorgaben müssen alle Neuzulassungen ab dem 1. Januar 2021 erfüllen. Die Euro-6d-Benzinern tragen seit Anfang 2021 nun ebenfalls die Kurzbezeichnungen B4, B5 und B6 AWD – die Leistung bleibt unverändert zwischen 197 und 300 PS (Kraftstoffverbrauch kombiniert NEFZ/WLTP: 6,0-6,7/7,7-8,5 Liter auf 100 km, 139-1536/148-194 g/km CO2 und Energieeffizienzklasse A-B).

Volvo hat sich dazu entschlossen, in allen Modellen und bei allen Antrieben – egal ob konventionell oder alternativ – bei 180 km/h dem Vortrieb ein künstliches Limit zu setzen.

Kurzum: Kein neues Volvo-Modell wird zukünftig schneller als 180 Stundenkilometer unterwegs sein. Und das ist aus unserer Sicht die Richtige Entscheidung. Der Grund: Die Schweden wollen ein weiteres Zeichen für mehr Sicherheit im Verkehr setzen. Dass sich durch den geringeren Entwicklungsaufwand Kosten einsparen lassen, ist ein positiver Nebeneffekt.

Global gesehen darf ohnehin kaum irgendwo über 180 km/h gefahren werden. Auch wenn sich der Durchschnittsdeutsche am Tempolimit generell stört, bedarf es hier weitere Perspektiven. Allein aus ökologischer Sicht macht die Entscheidung vollkommen Sinn.

Das achtstufige Automatikgetriebe macht vor allem durch seine leise Unauffälligkeit auf sich aufmerksam. Kaum hörbar, verrichtetet diese ihren Dienst wirklich problemlos, insbesondere im oberösterreichischen Bergland.

Jeder Gangwechsel erfolgt unmerklich. Beim Allradantrieb setzt der V90 Cross Country die Motorkraft vorrangig an den Vorderrädern um, wobei sich die hinteren Räder situationsbedingt blitzschnell zuschalten. Mit der Wahl es Offroad-Programm werden die Antriebsmomente im Grundverhältnis 50: 50 auf die Vorder- und Hinterachse aufgeteilt. Somit gilt der Cross Country als einer der traktionsstarken Fahrzeuge in seinem Segment.

Gegen etwaige dicke Luft agiert im neuen V90 Cros Country ein erweitertes Luftqualitätssystem mit spezieller Feinstaubfilterung im Einsatz. Es filtert die feinen Staubfilter nach dem strengen “PM 2,5”-Standard.

Eine komplett vegane Ausstattung sowie feinere Wollbezüge sind ebenfalls auf Wunsch erhältlich. Auch hier ist Volvo seit Jahren Vorreiter. Unser Testfahrzeug war ausgestattet mit schwarzem Leder.

Manchmal wirft die Infotainmentbedienung während der Fahrt gewisse Fragen auf. Der übliche hochgestellte Infotainment-Touchbildschirm in der Mittelkonsole war nicht sofort überschaubar und bedurfte zu Beginn zumindest einer kurzen Lernphase. Fairerweise hatten wir bereist genug Volvos, um die Umstände zu kennen und uns rasch einzuarbeiten. So gestaltete sich das Bedienen selbst für Führerscheinneulinge recht einfach.

Die digitale Anzeige hinterm Lenkrad ist zeitgemäß und soll in der nachfolgenden Ära weitaus moderner gestaltet sein. Auch hier sind die individuellen Einstellungen wie Ansichten und Formate zweckmäßig.

Induktives Laden war in unserem Fahrzeug serienmäßig innerhalb der Mittelkonsole verbaut – allerdings hatten wir zweimalige Aussetzer des Systems.

Sehr erfreut waren wir über die variabel gestaltbaren Kofferaumeinstellungen.

Die Rücksitze lassen sich vollständig und ebenerdig umlegen. Wir konnten so das gesamte Kofferraumvolumen von 1.526 Litern beim Transport von Pfadfinderrucksäcken optimal nutzen.

Die Laderaumabdeckung ist im V90 automatisch an die serienmäßig elektrische Heckklappe gekoppelt. Anfangs schauten wir nach, ob jene sich auch wirklich automatisch zurückfährt.

Mit einer Anhängerkupplung kann der Cross Country darüber hinaus maximal 2.400 Kilogramm ziehen.

Volvo bietet für den V90 Cross Country einzig ein optionales Luftfahrwerk für die Hinterachse an. Zwar wird hier das Fahrzeugniveau beim Beladen oder während des Anhänger-Zugbetriebs automatisch nivelliert, in der Höhe lässt sich das Fahrwerk aber nicht verstellen. Zusammen mit einer Bodenfreiheit von 210 Millimeter gelingt sodann fast jede Ausfahrt ins leichte Gelände.  

Unabhängig davon gleitet der große Schwede sanft über allerhand schlechten Straßenbelag und selbst auf Feldwegen macht die Federrate eine gute Figur. Die überaus weiche Fahrwerksabstimmung führt allerdings auch zum wohl größten Kritikpunkt im Fahrkapitel: der Lenkung. Diese ist aus der Mittellage heraus zu schwammig geraten und könnte über mehr Rückmeldung verfügen.

Fazit

Der Volvo V90 Cross Country ist ein sehr bequemes Langstreckenauto für Abenteurer oder all jene, die den optischen Reiz eines SUV lieben, jedoch keines fahren möchten. Um sieben Zentimeter höhergelegt als der normale V90 Kombi bietet der stets allradgetriebene Cross Country mehr Flexibilität auf schlechten Straßen, ist mit den jeweiligen Einstandspreisen auch kein Billigangebot.

Der Volvo V90 zeigt sich mit Komfort- und Effizienzgewinn durch des Mild-Hybrid-System.Die neue elektronische Automatik und die feinen Modifikationen am Ex- und Interieur wissen indes vollumfänglich zu gefallen. Ein anderer Grund, der für den V90 spricht, sind die üppigen und bei Volvo selbstverständlichen Sicherheitsfeatures. sowie die qualitativ hochwertige Verarbeitung.

Unser Testwagen:

Hier erfährst du mehr über den VOLVO Cross Country.

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