Kolumne Dominik – Polestar 2

hier schreibt Dominik sehr persönlich über seine Elektroautoerfahrungen.

Heute geht es um den Polestar 2 Performance

Sehr überraschend rief mich dann Freitags die Kundenbetreuerin von Polestar an und fragte mich, ob ich noch Interesse an einem Wochenende mit dem Polestar 2 hätte. Ich bejahte es natürlich, worauf hin sie sich für den Überfall entschuldigte und mich fragte, ob ich wohl spontan dieses WE, also am Freitag, wo sie mich anrief, machen könnte. Auf Nachfrage, bis wann ich in Düsseldorf sein müsste und abgeschätzt, das ich es knapp schaffen würde nach meiner Arbeit, habe ich es bestätigt und so hatte ich dann von Freitag 17.30 Uhr – Montag 17.00 Uhr den Polestar 2 Performance. Hingefahren, abgeholt, nochmal kurz das wichtigste erklärt auch auf ging es.

Außen:

Dieses mal hatte ich natürlich deutlich mehr Zeit, mir alles in Ruhe anzugucken. Zuhause dann einmal drum rum gegangen und angeguckt. Aufgefallen war mir ein kleiner Spaltmaßunterschied zwischen der Haube vorne auf Scheinwerferhöhe und hinten in Höhe der Windschutzscheibe. War aber nicht gravierend und nur bei sehr genauem hinsehen zu erkennen.

Das Leuchtband hinten mit den Lichtspielen sieht natürlich grade im Dunkeln atemberaubend aus.

Da der Wagen dazu auch noch über die Pixel-LED-Scheinwerfer verfügte, gab es beim Fahrzeug entriegeln auch ein ähnliches Lichtspiel vorne.

Optisch ist er, finde ich, klar als Volvo oder zumindest zur Volvo-Familie zugehörig zu erkennen. Was per se ja nichts schlechtes ist.

Die Front wirkt, dadurch das sie recht hoch und steil baut, also eben typisch Volvo, sehr bullig. Was mir zugegeben sehr gut gefällt. Er wirkt eben insgesamt sehr massiv. Dazu noch Thor’s Hammer im Scheinwerfer, sehr überzeugend. Der Weiß-Ton war extrem toll in der Sonne, eine Art Metallflakes im Lack, sah unglaublich edel und aufsehenerregend aus. Die Kunststoff-Beplankungen rundum machten das Auto optisch ein wenig zum Light-SUV, was er aber, finde ich gar nicht ist. Dafür unterstreicht es aber den bulligen Charakter – passt auf jeden Fall zum Auto. Dann diese Außenspiegel: Ich finde sie absolut klasse. Sieht unfassbar edel aus, das sie ohne Rahmen sind, also nicht nur ein eingeclipstes Glas, sondern quasi aus dem Vollen, so sieht es zumindest aus. Dann, wenn man den Spiegel verstellt, verstellt sich das gesamte Gehäuse – sieht richtig genial aus.

Die Performance Ausführungen verfügen über geschmiedeten 20 Zoll Felgen mit der wirklich groß und mächtig wirkenden Bremsanlage mit den goldfarbenen Bremssätteln. Auch dieser Polestar war ein Modell in weiß.

Innen:

Alles sehr überschaubar, allerdings nicht so frei wie ich vielen Elektroautos. Man war doch wieder mehr Pilot des ganzen. Nicht schlecht, aber eben anders und gehört deshalb erwähnt – mir gefällt beides gleich gut. Das sehr große Glasdach ist super, und wie auch immer es geschafft wurde, es wird nicht heiß im Auto – trotz direkter Sonne von oben. Es ist einfach nur extrem hell und macht obenrum ein sehr luftiges Gefühl. Schön

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Beim Testen ist mir vor allem eines Aufgefallen: Filz in den Türverkleidungen fehlt ! Sobald da ne Plastikflasche oder irgendwas anderes liegt, was rutschen kann, klingt es wie in einer Lieferwagentür.

Und was soll ich sagen – diese gelben Gurte !!! Einfach optisch ein Traum, finde ich zumindest. Ansonsten halt ebenfalls alles wie beim Fahrzeug am Ladepark Hilden.

Fahrleistungen + Rekuperation:

Beschleunigung absolut high end, wirklich – und das immer wieder abrufbar. Auch 100-200 ist echt nicht ohne, auch wenn ich das Gefühl hatte, das er ab 195 rum schon langsam Leistung wegregelt, um zum Abregeltempo nicht zu abrupt zu stoppen mit der Beschleunigung.

Das Rekuperieren ist wirklich sehr ordentlich und reicht absolut, um ohne Bremspedalnutzung fahren zu können im Alltag. Das Auto erkennt auch, so wurde mir gesagt, per Software, das er immer mal zwischendurch kurz ohne Rekuperation, sondern mit der Betriebsbremse, bremsen soll, damit diese nicht aufgrund von Nichtbenutzung Probleme macht. Find ich clever gelöst.

Fahren:

Alles schön und gut, dachte ich mir , also muss ich das Auto wirklich mal fahren. War kein Problem, dafür waren die Polestar ja alle da. Also suchte ich nach dem Startknopf. Den gibt es aber nicht. Sobald ich die Tür öffne und einsteige, aktiviere ich dabei die Zündung. Bremse treten und Wählhebel nach unten ziehen, schon kann man losfahren. Kein lästiges Starten, Schlüssel drehen oder dergleichen. Beim Verlassen des Fahrzeugs genauso: Auf „P“ drücken, aussteigen – Auto ist nicht mehr aktiv. Finde ich super umgesetzt. Aber sei es drum – los geht’s. Was mich wirklich umgehauen hat war, wie leise der Polestar war, vor allem auch im Vergleich zum Tesla Model 3. Das ganze liegt natürlich auch konstruktionsbedingt an den Seitenscheiben. Wo der Model 3 rahmenlose, sicher optisch schöne Scheiben und somit Türen hat, ist es im Polestar massiver mit Scheibenrahmen – aber eben auch viel leiser. Die Rundumsicht war eigentlich ganz ok. Allerdings fand ich die A-Säulen Verkleidungen ein wenig zu dick geraten – etwas dünnere würden mehr Übersichtlichkeit erzeugen. Und den Innenspiegel hätte man eigentlich auch weglassen können, das kleine bisschen, gefühlte 10 cm von der Heckscheibe , was man sieht, lohnt nicht. Da hätte ich mir eine Umsetzung, bei der ganzen Technik, wie im Honda E vorgestellt – die technische Möglichkeit wäre sicherlich gegegben gewesen.

Samstag bin ich dann ein wenig durch Dortmund damit gefahren, dem ein oder anderen aus meinem Bekanntenkreis hab ich den Wagen auch gezeigt.

Interessant wurde es dann am Sonntag. Da bin ich dann nach Bielefeld gefahren, recht zügig, muss ich sagen. Man merkt da natürlich, das der Verbrauch hoch geht, aber ich finde, alles noch in einem brauchbaren Rahmen – ich glaub ein EQC verbraucht das gleiche bei normaler Fahrweise. Leider hat mein Vorhaben und Bielefeld nicht funktioniert. Da aber ein guter Freund von mir fragte, ob ich in seiner Nähe sei, bin ich kurzerhand zu Burger King in Bielefeld und habe kurz nachgeladen, um dann zügig nach Osnabrück zu fahren. War prinzipiell kein Problem. Aber wieso bitte stellen die Burger-King Typen ihre Autos auf öffentliche E-Auto Ladeplätzen ab – unverständlich sowas.

Also irgendwie passte der Stecker gerade so, dann auf nach Osnabrück. Bin dann wirklich wo erlaubt war – und das war fast die ganze Strecke – 210 kmh Tacho gefahren. Super leise, sehr angenehm – überhaupt keine Hektik, die im Auto aufkommt. Daran merkt man wirklich, das diese vor allem durch den Motorsound kommt und nicht durch die Geschwindigkeit.

Nach einer Weile auf der Rückfahrt von Osnabrück wusste ich dann auch, das Lenkrad so zu halten, das es für den Assistenten genug Kontakt war, um mich zu erkennen, aber wenig genug, um das Auto mehr oder weniger alleine fahren zu lassen. Geht allerdings nur bis 135 km/h. War aber eh recht ordentlicher Verkehr, daher passte das schon.

Montags dann den Wagen wieder weggebracht – und wieder mal grad den adaptiven Tempomaten in Verbindung mit dem Lenkassistenten im Stau genossen. Einmal angehalten, reicht ein Antippen des Gaspedals – und er rollt wieder los und folgt der Meute vor sich.

Eines muss ich aber zum Performance Modell sagen – wer nicht unbedingt ständige Kurvenhatz vor hat und die Gurte nicht unbedingt braucht, der sollte sich das Performance Paket gut überlegen. Aus Sportlicher Sicht ist das Fahrwerk grandios, wie er den Wagen durch die Kurven zimmert und am Asphalt klebt, einfach genial. Aber durchaus zu Lasten des Komforts, vor allem im Vergleich zu dem am Ladepark Hilden getesteten Modell, der das Fahrwerk nicht montiert hatte. Aber die Gelben Gurte sind einfach genial.

Erwähnte ich eigentlich das Licht? Also das Licht – was soll ich sagen ….. ALTER VADDER is das Hell. Und wie geil er die anderen Fahrzeuge ausgeklammert bekommt, ich fand es wirklcih einfach Top.

Assistenten:

Die Assistenzsysteme funktionierten wunderbar, er hat sogar Landstraßen problemlos geschafft, alleine zu lenken. Und das sogar auf kurvigen Abschnitten. Echt toll. Das einzige, was ich schöner fänd wäre, wenn er so wie der Fiat 500 E auf die Berührung am Lenkrad reagieren würde. Den Polestar muss man leider leicht am Lenkrad ruckeln, damit er einen wieder erkennt. Das ist im Fiat mit dem kapazitiven Lenkrad besser gelöst – da reicht ein umgreifen ums Lenkrad und er gibt wieder Ruhe. Was ich unglaublich positiv finde ist die 360° Kamera, wie sauber man einparken und auch rangieren kann ist einfach wunderbar. Außerdem kann man die Kameras seitlich nutzen, um nah an einen Bürgersteig zu parken, ohne sich die Felgen zu ramponieren.

Der Lenkassistent funktioniert jedoch nur bis 135 km/h. Wenn er das erste mal meckert, das man das Lenkrad anpassen soll, reicht ein Umschließen mit der Hand für 2 Sekunden, dann erkennt er einen wieder.

Bedienung:

Der Tacho ist digital ausgeführt – immer und ohne Aufpreis. Das Lenkrad hat nicht zu viele Tasten, alles ist soweit einfach zu verstehen und muss nicht lange gelernt werden. Dann die sehr intuitive Bedienung. Alles ist da, wo man es vermutet, ohne vorher nen Seminar abgeschlossen haben zu müssen. Das ist auch noch ein negativer Punkt für mich – das es schwierig ist, einen Bordcomputer zu finden, wo man den Verbrauch ablesen kann.

Platzangebot:

Der Kofferraum kann, sofern der Schlüssel in Reichweite ist, mit einem Kick unter das Fahrzeug geöffnet werden – und auch geschlossen, was ich sehr toll finde. Dazu noch sehr interessante Detaillösungen, wie zum Beispiel die aufstellbare zweite „Wand“ im Kofferraum für Kleinkram, damit nicht alles durch den ganzen Kofferraum fliegt. Außerdem mit Taschenhaken für den Einkauf – sehr durchdacht. Das Platzangebot vorne ist in Ordnung, man fühlt sich sehr sicher – es fühlt sich wirklich an wie eine Burg – und erinnert mich an der Stelle auch wieder sehr an Volvo Modelle. Was ich wirklich sehr schätze. Hinten allerdings muss ich sagen, wegen dem Panorama-Dach muss ich mit 184 cm Größe mich eher Hinfletzen, weil ich sonst an den Dachhimmel stoße.

Infotainment + Navigation:

Der Bildschirm fiel mir sofort ins Auge. Die Kacheln zum Bedienen sind extrem groß geraten, was das Bedienen auch beim Fahren blind möglich macht. Die Funktionen sind alle sehr einfach bedienbar, da der Wagen über google Funktionen verfügt, muss nicht mal eine Taste gedrückt werden, um auf die Spracheingabe zu kommen.

Wichtiges wie Lautstärke, Play und Pause, Scheibenheizung und Warnblinker sind griffgünstig zum Sofortzugriff untergebracht – ebenfalls gut. Der besondere Clou im Cockpit direkt: Der Subwoofer hinter dem Monitor, der über 2/3 des Armaturenbrettes geht, ins Cockpit integriert. Wirklich super. Perfekter Klang, echt toll. Dann oben im Dachbereich noch ein Animiertes Polestar-Symbol. Klasse.

Ich muss aber sagen – die Knöpfe dafür, besonders der Play/Pause Button im Drehregler vor dem Schalthebel – ist auch, wie zB bei VW, eine berührungsempfindliche Touch-Fläche. Aber man merkt es durch haptisches Feedback, ohne Probleme – es fühlt sich wie ein echter Taster an. Genauso Warnblinker und Scheibenheizung.

Qualitätsanmutung:

Das, was ich im Vergleich zum Tesla wirklich schön gemacht finde, sind zum Beispiel die Verarbeitung, wo man eben doch merkt, das Volvo schon einige Jahre Autos bauen. Die Verarbeitung und vor allem die Haptik im Innenraum war wirklich faszinierend. Alleine wie massiv sich die Luftdüsen und dessen Versteller gegeben und angefühlt haben – richtig toll. Der Klavierlack um den Wählhebel herum dürfte von mir aus aber auch gern Holz oder vergleichbares sein – auch wenn es kein Echtholz wäre, aber so wie im Armaturenbrett. Der Klavierlack wird wohl leider zügig nicht mehr so schön aussehen.

Neben den Metallverstellern der Luftduschen habe ich nochmals genauer geguckt und die Türöffner ebenfalls aus Metall scheinbar ausgemacht – fühlen sich zumindest so an. Und dann noch der Metallkranz für die Lautstärkeregelung, der auch wirklich wie Metall sich anfühlt – und richtig definierte, ohne hinzusehen erkennbare Rastpunkte hat. Toll. Das macht wirklich unglaublich was aus, um eine extrem gute Qualitätsanmutung darzustellen.

Verbrauch + Laden + Reichweite:

Ja, der Verbrauch. Der hängt beim Polestar nicht nur von der Fahrweise ab, sondern auch von der Topographie und der Einstellung vom One-Pedal-Driving.

Der Verbrauch lag im Einzelnen bei … (immer ohne / mit One-Pedal)

… 100 km/h bei 17 / 20 kWh

… 130 km/h bei 19 / 23 kWh

… 160 km/h bei 26 kWh

… 180 km/h bei 32 kWh

… 200 km/h bei 36 kWh

In der City war der Unterschied, finde ich, am Größten. Mit aktiviertem One-Pedal-Drive auf Stufe Standard, lag ich in der City bei 19,x kWh, sehr nahe der 20 kWh. Ganz ohne eigene Rekuperierung, obwohl er durchaus rekuperiert, solange das Charge-Feld im Tacho grau wird, lag der Cityverbrauch bei 14,7 kWh. Man erkennt am Charge-Feld, ob er nun Rekuperiert oder nicht. Wird es nur grau, rekuperiert er, ändert es sich bei vollem Rekuperationsfeld in orange/Schwarz gestreift, dann wird die Betriebsbremse benutzt.

Als Anhaltspunkt des Verbrauchs kann man sagen, Strecke Dortmund – Düsseldorf bin ich den Wagen beim wieder Wegbringen mit 17.3 kWh gefahren – was ich für ein Auto dieser Größe und diesem Gewicht echt top finde.

In Bielefeld und Osnabrück habe ich geladen. In Bielefeld waren es bei Burger-King an einem 75 KW Lader 20 min, wo ich von 6 – 38% geladen habe. In Osnabrück war mein rausgesuchter Ladepunkt, leider der einzige Schnelllader in Osnabrück den ich finden konnte, belegt. Also bin ich auf einem Penny Parkplatz ausgewichen, dort dann 50 KW bekommen und nochmal für 20 min geladen, weil da dann mein Kumpel vorbeikommen wollte. Da er aber auch mal testen wollte und wir auch ein wenig Autobahn fahren wollten, haben wir dann am Schnelllader nochmals geguckt – und er war frei. Dann von 15-60% geladen in 20 min. Danach sind wir dann ein wenig durch Osnabrück gefahren, bissl getestet, sogar die Dragy-Box vom Kumpel rausgekramt und gemessen. Da dann Formel 1 kam und ich den Start gucken wollte, haben wir uns nochmal an den Schnelllader gestellt, der zum Glück noch frei war. Da dann geladen von 32 – 95% in 40 min – allerdings nur, weil ich so lange Formel 1 gucken konnte. Ich wäre eigentlich bei 80% losgefahren. Bis 27% hat er mit 148 kw geladen, bis 47% dann mit rund 120 kw, dann kurz mit 100 kw, um dann bei 55% auf rund 80 kw einzubrechen. Bei 75% rum geht’s dann nochmal runter, weil ich aber da grad F1 geguckt habe, hab ich nicht mehr geguckt. Beim Abstecken bei 95% waren es nur noch 14 kw.

Fazit:

Éines kann man definitiv sagen – auch wenn es bei Ladeleistung vor allem nicht dem Tesla das Wasser reichen kann und auch ein wenig langsamer ist, vor allem in der Endgeschwindigkeit – er ist in vielem dem Tesla ebenbürtig, in einigem sogar überlegen. Ich kann den Wagen definitiv empfehlen, wenngleich er nicht wirklich preiswert ist – aber ansich auch nicht sooo teuer. Man muss ja auch nicht zwingend den Dual Motor nehmen – vieles der Erwähnten Vorteile betreffen die kleinen Modelle ja genauso.

Dominik testet in seiner Freizeit oft Elektrofahrzeuge und schreibt über seine Erfahrungen

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