Kolumne Dominik – Ford Mustang Mach E

hier schreibt Dominik sehr persönlich über seine Elektroautoerfahrungen.

Heute geht es um den Ford Mustang Mach-E.

Dieses Wochenende, endlich, war dann der Ford Mustang Mach-E an der Reihe. Und zwar in der Allrad-Version mit dem großen Akku, also alles, was aktuell möglich ist. Früh morgens bin ich dann ins Münsterland gefahren dafür, denn leider war in und um meinen Wohnort nirgends ein Mustang Mach-E zu finden zur Probefahrt. Dort angekommen wurde ich sehr freundlich und ohne große Umwege empfangen und hatte 3 Stunden Zeit, den Wagen zu testen. Auch hier war nach der Frage, ob ich schon E-Auto gefahren bin, die Einführung eher gering, er hätte mir aber alles erklärt, wenn ich gewollt hätte.

Außen: Mustang Mach-E. Der Name verspricht, wenn man Mustang hört, natürlich ein sportliches Fahrzeug zu sein. Es ist allerdings ein SUV. Wobei ich finde, das die Umsetzung vom Mustang als Sportwagen in den SUV Bereich sehr gut gelungen ist. Die Front ist nahezu komplett geschlossen, jedoch klar als Mustang zu erkennen. An allen Radhäusern sind Seitenmarkierungsleuchten zu finden, was ihn optisch natürlich sofort ziemlich Amerikanisch wirken lässt. Den Clou am Auto finde ich, dass die Dachpartie schwarz lackiert ist und eine abfallende Designlinie nach unten geht, um das Dach von der Seite Coupehaft wirken zu lassen. Ist absolut Top gelungen und auf dem Foto sieht man auch, das es funktioniert.

Die nicht vorhandenen Türgriffe sind sehr angenehm – aus Frauenquelle weiß ich, das es für die Fingernägel sehr angenehm ist, die Tür auf diese Weise zu öffnen. Es gibt einfach keine Gefahr mehr, sich dort einen Nagel abzubrechen.

Hinten ist der Wagen mit dem Leuchtendesign klar als Mustang zu erkennen. Ich finde es optisch aber auf jeden Fall sehr gelungen. Bei der Option elektrische Heckklappe lässt sich diese auch mit Tritt unter die Heckschürze öffnen und auch schließen.

Innen: Innen angekommen empfängt einen kein enger Sportwagenraum sondern eine sehr bequeme Kommandozentrale. Die Sitze haben eine Kontrastnaht in rot gehabt, was unglaublich gut ausgesehen hat. Dazu waren die Sitze sehr weich und angenehm, was natürlich auch den Sitzkomfort unglaublich hoch angesiedelt hat. Mittig ist eine Mittelarmlehne mit darunter liegendem Ablagefach. Davor liegt direkt der Drehschalter für die Getriebestufe, Warnblinkschalter und Parkpilot-Taster.

Die Mittelkonsole ist auch zweigeteilt – unten ein schwer einsehbares Ablagefach, was zB für Parkscheibe oder ähnliches passend wäre, oben direkt darüber bzw unter dem Monitor ist ein Ablagefach fürs Handy, wo auch eine Qi-Ladeschale vorhanden ist.

Direkt darüber thront der doch recht große Monitor, der aber angenehmerweise Hochkant ist und nicht quer wie im Tesla. Anders als im Tesla hat man direkt hinter dem Lenkrad auch noch ein Display für die Geschwindigkeit, Verkehrszeichenerkennung, Reichweite und bei geplanter Route auch Strecke bis zum Ziel oder bis zur nächsten Ladesäule, die in die Route geplant ist und ein Display zu den Assistenten.

Die Tür wird über einen sehr griffgünstig angebrachten Hebel geöffnet, was natürlich ebenfalls elektrisch passiert.

Extrem positiv finde ich, das die Tür bis über den Schweller geht und somit das untere Stück des Schwellers nicht feucht wird bei Regen – so bleiben Hosen und Mäntel sauber.

Dann ist da noch das Lenkrad. Ich habe wirklich selten ein Lenkrad in den Händen gehabt, die sich so wertig angefühlt haben, dazu noch so weich und angenehm. Wirklich top.

Fahrleistungen + Rekuperation: Die Fahrleistungen, gerade vom AWD mit der großen Batterie, sind mit angegebenen 350 PS wirklich angenehm, wenn auch keine Rakete. Will er aber auch gar nicht sein. Er will die Leute mit Fahrspaß, gemütlich aber irgendwie dennoch sportlich ans Ziel bringen. Und das ist zu 100% gelungen. 0-100 macht er um die 5,5 Sekunden, was absolut in Ordnung ist, Topspeed waren getestete 188 km/h laut Tacho. Selbst bei dem Tempo ist der Wagen noch immer sehr angenehm leise.

Die Rekuperation kann als höchste Stufe über One-Pedal-Driving eingestellt werden. Sollte einem das doch zu viel sein, so hat er noch die „L“-Stufe im Drehregler der Getriebestufen. Das ist eine Rekuperationsstufe schwächer als One-Pedal-Drive. Gut finde ich, das man am kleinen Display vor dem Fahrer sofort sehen kann, wenn One-Pedal-Drive eingeschaltet ist.

Fahren:

Fahren … nunja, ist ja nen Mustang. Also mal los. Und wie er losgeht. Eben nicht wie ein Tesla, aber durchaus sehr gut. Alleine schon, wenn man bedenkt, das es sich ja um ein SUV handelt. Gerade beim normalen Fahren ist er unglaublich leise, dazu noch umwerfend Komfortabel für ein sportlich ausgelegtes SUV. Ja, es gibt wohl komfortabler gefederte E-Autos, aber ich fand es absolut angenehm, nicht zu hart. Dazu kommt noch, das der Wagen natürlich schon ein wenig auf Klientel abzielt, die es etwas sportlicher möchten.

Glücklicherweise habe ich den Wagen im Münsterland probegefahren. Denn dort konnte ich eine Rund 15 km lange Strecke durch die Landstraßen dort fahren und vor allem auch das Fahrwerk inclusive Kurvenlage testen. Mein Fazit dazu ist ganz eindeutig: Man merkt hier und da natürlich das Gewicht, aber auch, das der Schwerpunkt sehr schön niedrig ist. Kurvenlage war sehr gut, man konnte sogar die Kurven richtig anbremsen um, dann auf einer nahezu Ideallinie wieder herausbeschleunigen. Wozu dann wieder der spontane Antritt beim E-Auto geholfen hat.

Ansonsten fuhr der Wagen sehr leichtgängig, lies sich auch beim Einparken sehr gut rangieren. Dazu fand ich die Kameraauswahl sehr gut. Vor allem, weil es eine Kameraoption gibt, die bei mir zu Hause sehr helfen würde. Denn dort muss man rückwärts über den Bürgersteig, wo aber leider viele Fahrradfahrer fahren, wowohl gegenüber ein Radweg vorhanden ist. Aber mit dem 3fach gesplitteten Blickwinkel für die Heckkamera könnte man so beide Seiten sehr gut einsehen – deutlichst besser als man es so kann, weil immer das Nachbarauto im Weg steht.

Ich mag außerdem, wenn ich beim Fahren die Motorhaube im Blick habe, ist aber, denke ich, Geschmackssache. Unterwegs kam mir ein anderer Mach-E entgegen, der mich angelichthupt hat – habe es zurück gemacht. Der Händler meinte, das ihm das auch schon aufgefallen ist. Womöglich hat sich das schon so eingebürgert, das Mach-E Fahrer das untereinander machen. Finde ich cool.

Autobahn wie City ist der Wagen sehr angenehm leise.

Assistenten: Ein Headup-Display gibt es nicht, jedoch Totwinkel-Anzeigen in den Außenspiegeln und Spurhalteassistent, Spurverlassenswarner und Lenkassistent. Alles ist auch beim kleinsten Modell ab Werk dabei. Die Assistenten funktionierten problemlos und er lässt auch eine ausreichend große Strecke ohne die Hände am Lenkrad zu haben zu. Der Parklenkassistent funktioniert tadellos, man kann aussuchen zwischen in Längsrichtung einparken, in Längsrichtung ausparken oder in Querrichtung einparken. Man bleibt neben der Lücke stehen, stellt auf N und den Rest macht der Wagen – auch den Wechsel zwischen Vor- und Rückwärts. Und es funktioniert top.

Sehr angenehm fand ich in der Tat den Stau-Assistenten. Der Wagen hat beim heranfahren an die Ampel im Rückstau sehr sanft und langsam runtergebremst, also nicht abrupt oder so. War wirklich sehr angenehm und vorausschauend, hat dabei auch länger Rollen lassen.

Die Verkehrszeichenerkennung hat super funktioniert und er passt sogar das Tempo an, ohne das man dazu irgend etwas tun muss. Leider finde ich, reagiert die Verkehrszeichenerkennung zu langsam, da sie erst auf das Schild reagiert und dann verlangsamt. Das kann für einen Blitzer schon zu spät sein, gerade beim Landstraßen-Fahren. Für die Autobahn aber sicherlich ein Top Gimmik.

Bedienung:

Der Gangwahlschalter ist zum Drehen und etwas tief plaziert, aber da man den nur einmal drehen muss zum losfahren ist es auch nicht wichtig. Am Monitor gibt es extrem viel einzustellen – ohne Anleitung ist man da schon fast aufgeschmissen. Aber man kann sehr viel individualisieren. Ein „L“-Modus, also eine Art stärkere Rekuperation, aber weniger als beim One-Pedal-Drive, lässt sich über eine Drucktaste im Gangwahl-Drehknopf aktivieren.

Die Türöffnung funktioniert über sehr griffgünstig montierte Hebel, Fenster etc sind ebenfalls problemlos zu bedienen. Das Bedienkonzept, das ein weiterer kleiner Monitor sich hinter dem Lenkrad befindet finde ich absolut genial und fehlte mit bei den Fahrzeugen mit einem großen mittigen Monitor. Sehr gut gemacht.

Trotz des großen Monitors hat der Wagen noch immer einen normalen Drehregler für die Lautstärke, was ich sehr gut finde.

Platzangebot:

Das Platzangebot ist vorne durchaus großzügig, dazu ist der Sitz vielfach verstellbar und mit Memory konnte man sogar 2 verschieden große Personen speichern, um sich das ganze nicht immer neu einstellen zu müssen. Ich finde es schön, das er ein bisschen Stauraum generiert in der 2-Etagien Mittelkonsole. Alles ist sehr übersichtlich gestaltet. Das Platzangebot auch auf den hinteren Sitzen ist großzügig. In meinem Format können bequem 2 Erwachsene hinten fahren. Der Frunk, also der vordere Kofferraum, ist mit Fächern unterteilt und besitzt sogar einen Ablaufstopfen, sodaß man für ein Grillfest zum Beispiel Crushed Ice in den Frunk füllen kann, um dort Getränke zu kühlen. Dazu ist der Frunk sehr gut abgedichtet mit einer in der Motorhaube eingesetzten Dichtung. Diese ist dann bei geschlossener Haube abdichtend für den Frunk. Der Kofferraum ist angenehm groß und hat eine gute Ladekante, außerdem ist sie mit der Kofferraumöffnung ziemlich auf gleicher Ebene. Alternativ ist natürlich auch die Rücksitzbank umklappbar, um wirklich viel Platz und eine recht ebene Ladefläche zu ermöglichen.

Infotainment + Navigation: Die Navigation funktionierte problemlos, jedoch muss man die genauen Befehle kennen. Sie werden einem aber angezeigt, wenn ein Sprachbefehl nicht funktioniert hat. Dazu plant er Ladestops mit ein, wenn die aktuelle Ladung nicht ausreicht für die Fahrt. Das rein- und rauszoomen funktioniert sehr flüssig und zügig. Das im Fahrzeug vorhandene Bang&Olufsen Soundsystem machte einen unglaublichen Sound. Würde ich sofort dazubestellen. Ich bin mir nicht sicher, aber es sah so aus, als ob sich ein Lautsprecher im Armatrurenträger befindet. Wie gesagt, sah so aus, nur eine Vermutung.

Qualitätsanmutung: Die Materialien waren unglaublich schick. Hier und da gibt es natürlich Autos, die mehr Qualität an den Materialien zeigen, aber auch zu einem wesentlich höheren Preis. Das Leder (oder eben Kunstleder) ist sehr weich und angenehm, auch am Lenkrad. Die obere Leiste an der Türtafel ist klar kein Leder, fühlt sich aber sehr wertig an, überhaupt nicht nach Plastik und unterschäumt.

An den Kofferraum Seitenteilen, aber auch im unteren Bereich des Fahrgastraumes, zum Beispiel alles, was in Fußnähe ist, ist doch aus einer preiswerterem Plastik. Finde ich persönlich aber nicht schlimm, weil man da nicht täglich anfasst. Da ist das weiche Armaturenbrett mit den Nähten wichtiger für die Haptik.

Die Spaltmaße sahen soweit gut aus, auch wenn man weiß, das die Amis nicht unbedingt die Spaltmaß-Nerds sind. Der Frunk wird mit 2x ziehen am Haubenöffner gleich mit entriegelt und beim Öffnen muss so kein zusätzlicher Haken oder so gelöst werden, um die Fronthaube zu öffnen.

Verbrauch + Laden + Reichweite: Vom Verbrauch war ich sehr positiv überrascht. Über die gesamte Fahrt von rund 140 km hatte ich einen Schnitt von 19,4 kWh. Bei Fahrzeugleistung und Größe absolut in Ordnung. Innerorts lag ich eher so bei 13-14 kWh, da er eben auch viel rekuperiert. Die Ladeleistung, ich habe sie nicht nutzen müssen, da ich ihn immer noch mit rund 300 km Restreichweite abgestellt habe, ist wirklich in Ordnung. Im maximalen schafft er 150 kw, auch wenn er diese nicht allzu lange hält. AC lädt er maximal 11 kw, was aber absolut noch in Ordnung ist.

Einziger Kritikpunkt hier: Der Deckel des Ladesteckers geht irgendwie in die falsche Richtung auf, weil man so mit dem schweren Kabel am Supercharger noch am Deckel vorbei muss. Anders herum wäre besser gewesen, oder eben nach unten oder oben.

Fazit: Absolut empfehlenswert. Und da er nicht grad ein Auto aus der breiten Masse ist, würde ich dieses Auto sofort kaufen. Ist irgendwie ein bisschen Tesla Model 3, mit etwas schlechterem Laden, aber mehr Platz und praktischer wegen der großen Heckklappe. Dazu hat er den Tacho hinterm Lenkrad, den ich beim Model 3 vermisst habe. Optisch suggeriert er, ein Coupe zu sein und die Mustang-Anleihen zeigen, das er auch sportlich mit Fahrspaß kann. Und das kann er wirklich. Dazu das unfassbar weiche Leder, die schicke Innenausstattung und die gute Leistung gepaart mit sehr Alltagstauglicher Reichweite qualifizieren den Mustang Mach-E in meinen Augen zu einem sehr guten Kauf. Auch wenn andere schneller Laden können oder schneller sind. Dazu noch eine absolut atemberaubende Soundanlage im inneren. Wirklich ein sehr überzeugendes Auto für Leute, die nicht das 08/15 vieler anderer Hersteller möchten.

Dominik testet in seiner Freizeit oft Elektrofahrzeuge und schreibt über seine Erfahrungen

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