Praxistest Volvo XC 60 T6 Recharge

Das beliebteste Modell von Volvo ist der XC 60. Gleich in drei Plug – in Versionen wird das Fahrzeug angeboten. Wir durften den XC 60 T6 mit Mildhybridunterstützung fahren und für euch im Alltag testen.

Allgemein

Volvo hat seit einigen bereits eine sehr ambitionierte Elektrifizierungsstrategie. Mittlerweile führt jedes Model einen Elektromotor zusätzlich mit. So sind mittlerweile alle Fahrzeuge von Volvo nicht mehr rein mit Verbrennungsmotoren ausgestattet. Als Zielmarke hat sich Volvo als Teil der chinesischen Geely Gruppe bis 2025 fünf komplett batteriebetriebene Fahrzeuge gesetzt.

U(nd: trotz derzeitigen in der Branche allgemein vorhandenen Absatzschwierigkeiten – bedingt durch die Corona Pandemie – hat Volvo an sich weniger Verluste anzumerken als der Mitbewerb. Daher sind die weiteren Vorgaben, nämlich ebenso bis 2025 eine Million Elektrofahrzeuge verkauft zu haben, als machbar einzustufen. Im Anno 2029 hatte Volvo insgesamt weltweit 705.500 Fahrzeuge auf den Markt gebracht.

In den kommenden Wochen sollen die ersten vollelektrischen Volvo XC40 Recharge P8 AWD an die Kunden geliefert werden. Diesen durften wir ebenso bereits zwei Tage testen. Leider aber noch keine Veröffentlichung dazu publizieren.

Also haben wir den XC 60 T6 Recharge mit der Ausstattung R- Design testen dürfen. Als meistverkauftes Fahrzeug ist dieser mittelgroße SUV der Kassenschlager von Volvo – weltweit. Selbst der ehemalige Flottenliebling Kombi V60 wurde als bis dato gefragtestes Model abgelöst. Mit teilweise herrlichen Wetterbedingungen ging es nun daran, den Süden von Wien samt der schönen Weinberge zu erkunden und das Fahrzeug ausgiebig zu testen.

Außenansicht

Unser Testwagen kam dabei in der sportlichen Premium-Ausstattung „R-Design“ daher. Die sportlichen „R-Design“ Elemente beinhalten eine sportlichere und chromlose Front- und Heckschürze. Mit den 21 Zoll großen Sternfelgen sowie den schwarzen Spiegeln macht der XC 60 schon einen sehr präsenten Eindruck. Voll -LED Scheinwerfer mit dem allseits bekannten Thors Hammer Look runden das sehr sportlich wirkende „R-Design“- gelungen ab.

Ab Werk gibt es eine elektrisch öffnende Heckklappe, elektrisch einstellbare Frontsitze mit Memory-Funktion, ein Keyless-Go-System, das Volvo-Sensus-Navi mit Carplay- und Android-Auto-Unterstützung.

Zusammen mit dem „IntelliSafe-Paket Pro“, dem „Xenium-Paket Pro“ (u.a. Head-up-Display, der „Connect“-Version des Navis sowie einer 360-Grad-Sorround-View-Kamera), dem Premium-Sound-System von Bowers & Wilkins, der Akustikverglasung und weiteren Extras summiert sich der Testwagenpreis auf 76.000 Euro – zuzüglich Steuer.

Antrieb

Wie bereits im letzten Testbericht beim XC90 T8 Recharge muss erwähnt werden, dass Volvo nun auf Basis der SPA-Architektur von Volvo ausschließlich auf einen zwei Liter großen Motor setzt. Der Vierzylinder-Benziner wird von einem Roots-Kompressor und einem Turbolader unterstützt. Unser Testwagen kam so auf 186 kW, also mit 37 Kilowatt weniger als im letzten Testfahrzeug – dem XC90 T8 Recharge. Wer es sportlich mag, wählt den internen Polestarzuschlag mit 10 zusätzlichen Kilowatt und verstärkten Bremsen.

Der Verbrennungsmotor treibt mit der samtweichen Acht-Gang-Automatik die Vorderräder an. An der Hinterachse werkelt der als Hinterachs-Elektroantrieb bezeichnete „ERAD“ seinen Dienst mit 65 Kilowatt und einem Drehmoment von zusätzlichen 240 Newtonmetern.

Leider kamen wir nicht auf die Werksangabe von 55 Kilometern elektrischer Reichweite. Nach 44 Kilometern war meist Schluss. Es ist dazu anzumerken, dass wir so alltägliche Strecken und Geschwindigkeiten fuhren. Der doch hohe Stromverbrauch des XC60 wurde gemessen mit 22 bis 25 kWh/100 km. Für eine durchschnittliche Pendlerfahrstrecke von 30 bis 40 Kilometern reicht eine Batterieladung somit exakt aus. Im Hybrid-Modus, der beim Fahrzeugstart unabhängig vom Ladestand der Batterie aktiv ist, sank der Stromverbrauch auf ähnlich gemischten Strecken aus Stadtverkehr, Landstraße und Autobahn zwar auf 9,2 bis 18,9 kWh/100 km, jedoch mit variablen Verbrenner-Fahranteil. Im Misch-Betrieb lag der Durchschnittsverbrauch des Fahrzeuges insgesamt zwischen 4,7 und 7,8 Litern auf 100 Kilometer.

Hier wird deutlich, dass der XC60 als SUV einen höheren Luftwiderstand hat. Die auf 180 km/h limitierte Höchstgeschwindigkeit des XC60 wurde aufgrund der Begrenzung in Österreich selbstredend nie ausprobiert.

Hybrid

Mit einer Ladezeit von ca. 3 Stunden schränkt sich die Zielgruppe des XC60 Recharge, die das Fahrzeug sinnvoll nutzen kann, stark ein. Das Fahrzeug unterstützt lediglich das einphasige Laden mit maximal 3,7 kW. Die Ladezeit liegt somit bei mindestens drei Stunden. Da das Fahrzeug täglich längere Zeit geladen werden muss, ist der Zugang zu einer Ladestation zu Hause für das Laden über Nacht oder beim Arbeitgeber eigentlich Pflicht. Beträgt die tägliche Pendel-Strecke mehr als 40 Kilometer, wäre theoretisch ein zweiter Ladevorgang nötig, wenn die Alltags-Strecken rein elektrisch zurückgelegt werden sollen. Bei 2 kompletten Ladezyklen pro Tag muss zukünftig dem Thema Lebensdauer der Batterie mehr Beachtung gezeigt werden. Hier muss Volvo auf lange Sicht unbedingt nachbessern.

Der Typ-2-Anschluss zwischen Fahrertür und Vorderrad ist ideal für das Laden in der eigenen Garage – nach dem Aussteigen ist das Anstecken mit nur einem Handgriff erledigt.

Sicherheit und Komfort

Sicherheit als eines der Markenzeichen von Volvo zeigt sich allein schon in der Unterbringung der der 400 Volt Batterie: Während die 400-Volt-Batterie sonst meist unter der Rückbank verbaut wird, platziert Volvo die Batterie im Kardantunnel. So ist im Falle eines Crashs der doch klein geratene 11,6 kWh zwar gut geschützt, vergrößert jedoch etwas den Mitteltunnel.

Die Assistenzsysteme, die Volvo teilweise serienmäßig oder in dem „IntelliSafe-Paket Pro“ verbaut, erledigen ihre Aufgabe in der Regel sehr unauffällig. Auch der „ProPilot“ genannte teilautonome Fahrassistent arbeitet sehr zuverlässig und hält das Auto konstant in der Mitte der Fahrbahn – das Pendeln zwischen der rechten und linken Fahrbahn-Markierung, das noch in früheren Versionen des „ProPilot“ spürbar war, haben die Entwickler inzwischen abgestellt.

Das Fahrverhalten des XC60 Recharge ist angenehm komfortabel, besonders in Kombination mit der Akustikverglasung bleibt es im Innenraum auch auf der Autobahn sehr leise.

Das Leder wirkt sehr hochwertig, auch die anderen Materialien sind perfekt verarbeitet. Die in schwarzer Hochglanz-Optik gehaltenen Elemente in Verbindung mit dem schwarzen Holzelementen sind überaus ansehnlich und unterstreichen die Wertigkeit.

Die beiden wichtigen Bedienfelder am Steuer rechts (Bordcomputer und Multimedia) und links (ProPilot und Fahrassistenz) sind ebenfalls schwarzen hochglanzpoliert. Die Bedienung des mittleren Touchscreens ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, dann aber logisch aufgebaut. Tippt man etwas zu fest auf ein Icon und rutscht dabei mit dem Finger aufgrund einer Bodenwelle nur ein bisschen ab, interpretiert dies das System nicht mehr als ein Tippen, sondern als Swipen. Hier ist das Android-basierte System, das bereits im Polestar 2 und Volvo XC40 Recharge P8 zum Einsatz kommt, deutlich weiter.

Besonderes

Sehr gut gelöst ist hingegen das digitale Fahrerdisplay. Die Anzeigen sind einfach verständlich, im Gegensatz zu vielen anderen PHEV bietet das Powermeter sogar einen echten Mehrwert: Die Skala passt sich andauernd an, womit der Fahrer über einen Tropfen als Symbol für das Benzin sehen kann, ab welcher abgerufenen Leistung der Verbrenner anspringen wird – abhängig von Faktoren wie dem Ladestand und der Geschwindigkeit. Auch hier sind kleine UX Design Korrekturen wünschenswert: die Anzeige der E-Reichweite wirkt etwas zwischen die Benzin-Reichweite und die Akkustand-Skala hineingequetscht.

Besonders gut gelungen ist die „Volvo On Call“-App. Hier können nicht nur die Vorklimatisierung und Luftreinigung von außen aktiviert werden, sondern auch ein komplettes digitales Fahrtenbuch geführt werden. So können die Daten genau für das Finanzamt erfasst werden.

Die Platzverhältnisse sind für ein 4,69 Meter langes Auto in absolut Ordnung. Die Motorhaube sorgt für einen recht langen Vorbau, was im Innenraum einige Zentimeter kostet. Fahrer und Beifahrer sitzen für ein SUV relativ tief. Dies verstärkt die Sportlichkeit des XC60 insgesamt. Auf der Rückbank dürften Kopf- und Beinfreiheit selbst für die meisten Erwachsenen ausreichen.

Der Kofferraum fasst bis zu 483 Liter, die Ladekante ist 61 Zentimeter hoch. Bei umgeklappten Rücksitzlehnen können bis zu 1,74 Meter lange Gegenstände geladen werden. Sollen schwerere Lasten transportiert werden, sollte die teilelektrische Anhängerkupplung bestellt werden – dann dürften bis zu 2.100 Kilogramm gezogen werden.

Fazit

Wer im XC60 Recharge auf hohe elektrische Fahranteile kommen will, muss das Auto häufig, wenn nicht sogar täglich laden. Kurze Lade-Stopps, etwa für Laternenparker oder auch unterwegs auf der Langstrecke, reichen hier nicht aus, um nennenswert Strom nachzuladen.

Insgesamt ist und bleibt ein Volvo aber immer ein Volvo. Alle sicherheitsrelevanten Belange sind wie immer perfekt gelöst. Man fühlt sich wohl und sicher in diesem Fahrzeug. Besonders positive hervorzuheben ist der einwandfreie Pilot Assist. Als Familientestwagen probierten wir natürlich unsere Kindersitze, welche sehr schnell via dem ISO Fix System installiert werden konnten.

Dazu kommen sehr gute Fahrleistungen mit höchstem Komfortniveau, selbst bei leerer Batterie spurtet der Volvo vehement los, bei vollem Akku bietet er gar sportwagenhafte Sprintzeiten. Gepaart mit dem komfortabel abgestimmten Fahrwerk und der leichtgängigen Lenkung ergibt das charakterlich einen souveränen Reise- und Familienwagen inkl. einer sensationellen Bowers & Wilkins Soundanlage, welcher der Konkurrenz in nichts nachsteht.

Unser Mitglied Dr. Max Klitsch ist derzeit am Überlegen, sich als nächstes Fahrzeug einen XC 60 zuzulegen.

Praxistestfahrer: Max Klitsch, Daniela Klitsch, Nicole Heylik, Tom Hausner

Location: Wien- Niederösterreich

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