Praxistest Renault ZOE ZE 50

Wir testen für euch die neue Renault ZOE mit wunderbaren Verbesserungen im direkten Vergleich zur Vorgängerin

Ist es nun eigentlich eine Dame – also „die ZOE“ oder ganz gewöhnlich „der ZOE“? Renault schreibt sie groß: „ZOE“ – damit wäre zumindest dieses Thema eindeutig geklärt. 

Mit ca. 400 Km Reichweite, einem ganz frischen Design sowie einem sehr anmutenden Innendesign ist das seit Jahren das ehrlichste aller Elektrofahrzeuge und mittlerweile schlichtweg eine Augenweide.

Wir durften für 14 Tage die höchste Ausstattung fahren – im frauenliebenden Dezir- Rot. Dass die Renault Zoe mittlerweile sieben Jahre auf dem Buckel hat, sieht man ihr kaum an. 

Weil die Technik bei Elektroautos rasante Fortschritte macht und sich die Konkurrenz mit dem Peugeot e- 208, dem Opel Corsa e, dem Seat el- Born sowie dem VW ID.3 in Stellung bringt, hat Renault bei seinem E-Auto-Bestseller Handlungsbedarf gesehen und den Zoe überarbeitet. Äußerlich gibt es kaum Größenänderungen. Die neue ZOE ist 4,09 Meter lang mit einem Radstand von 2,59 Meter.

Die Front wurde mit einem neuen Kühlergrill nachgeschärft. 

Vorne sitzen nun zeitgemäße LED-Scheinwerfer in einem sehr gefälligen Design. Diese sind im Vergleich zu den Vorgängermodellen wirkungsvoll funktional und hell.

Hinten ist die ZOE ebenso mit LED-Lichtern versehen. 

Innen präsentiert sich die ZOE deutlich verändert. Ab der Basisversion sind traditionelle Instrumente einem 10 Zoll großem Display gewichen. Zusätzlich zeigt ein 9,3 Zoll großer Monitor in der Mitte sämtliche Daten inkl. dem Easy- Link Infotainment aus dem Clio. Dies lässt sich intuitiver bedienen lässt als das alte System, bei dem kurioserweise ausschließlich Benzintankstellen statt Ladesäulen angezeigt wurden. 

Eine automatische Helligkeitsanpassung des Displays wäre dennoch wünschenswert.

Smartphones lassen sich jetzt via Android Auto und Apple Car Play besser verknüpfen und natürlich auch induktiv laden. Per Smartphone-App kann man aktuelle Fahrzeuginformationen wie den Ladestand abrufen, den Ladevorgang starten oder den Innenraum vorklimatisieren.

Allein die Materialien sind ein Quantensprung. Die nicht besonders wohnliche Hartplastiklandschaft des Vorgängers wurde durch ein gefälliges Armaturenbrett mit überwiegend soften Materialien ersetzt. Sehr hübsch und angenehm anzufassen: Einlagen aus Stoff, die ab der mittleren Ausstattung Stufe „Experience“ sogar aus recyceltem Gewebe bestehen. 50 Prozent der Kunststoffe sind aus alten Plastikflaschen gefertigt. 

Lobenswert: Mit dem jüngsten Upgrade erkennt der Renault Verkehrsschilder und schaltet das serienmäßige LED-Licht automatisch zwischen Abblend- und Fernlicht um.

Unsere Ausstattung „Intens“ hatte einen Notbremsassistenten mit Fußgängererkennung. Dieser ist in den anderen Ausstattungen bis dato nicht erhältlich.

Ganz neu ist der Antrieb. 
Mit 52 kWh Speicher und einem Elektromotor mit 135 PS steigt nicht nur die Reichweite enorm, sondern auch die Beschleunigung. Nach WLTP Angaben soll die ZOE nun 395 Km weit fahren können. Es ging problemlos, allerdings mit viel Gefühl und einem lahmen Stromfuß. Durchschnittlich schafften wir knappe 370 Km – wobei wir keine Schleicher sind.


Das Drehmoment beträgt nun 245 Newtonmeter und lässt die ZOE mit 9,5 Sekunden recht flott auf 100 km/h im Normalmodus „sprinten“. Zwischen 100 km/h und der Höchstgeschwindigkeit von 145 km/h muss man sich etwas mehr gedulden. Die ZOE soll aber sowieso eher das Langstreckenauto sein als die rasende Kanonenkugel auf der Autobahn.  

Dass die ZOE dennoch eine Leistungsspritzebekommen hat, registriert man beim Überholen auf der Landstraße wohlwollend: Ein kurzer Druck aufs Pedal genügt und die Französin sirrt mit Leichtigkeit an langsam fahrenden Lkw vorbei. 

Schon auf den ersten Metern zeigt sich die gute Arbeit in der Nachbesserung der Geräuschdämmung: ein sehr angenehm ruhiges Gleiten ist ganz normal, die Abrollgeräusche der Reifen waren nur leicht zu hören.

Neu ist in der ZOE der so genannte B-Modus, der die Rekuperation verstärkt: Geht man vom Gas, gewinnt die ZOE mehr Energie zurück als im normalen D-Modus und bremst stärker ab. Zwar spricht Renault hier vom Ein-Pedal-Fahren – also Stromgeben und Bremsen allein mit dem Strompedal – doch das ist reichlich übertrieben. 

Der „One-Pedal“-Bremseffekt fällt bei der ZOE deutlich geringer als bei anderen Fahrzeugen aus.

Laut Datenblatt gibt Renault einen Stromverbrauch von 17,7 kWh nach WLTP-Zyklus an. Besonders hervorzuheben ist der nun erhältliche und natürlich absolut sinnvolle CCS Anschluss. An einer 50-kW-Säule kann man der ZOE damit in ca. 30 Minuten Strom für weitere 150 Kilometer spendieren. Eine wichtige und gute Option für relativ wenig Extrageld. Der Lade-Anschluss versteckt sich wie gehabt hinter dem Renault-Logo an der Schnauze (Nasenlader). 

Fazit

Es ist schon beeindruckend, was Renault aus der sieben Jahre alten ZOE herausgeholt hat. Ein wesentlicher Kritikpunkte ist die fehlende P- Stellung und das überschaubare Platzangebot im Fond. Dennoch haben wir zwei wirklich große Kindersitze mit ISO- Fix Befestigungen ohne Probleme installieren und elativ bequem fahren können.  Bei Fahrten zu viert haben wir versuchsweise einen Kindersitz auf den Beifahrersitz gegeben, auch dieses Unterfangen erweis sich als komplett problemlos.

Billig ist die Renault ZOE insgesamt nicht (siehe dazu die Konfiguration) , aber sie bietet viel Gegenwert. Und sie ist und bleibt eines der ehrlichsten Elektrofahrzeuge.

Beim Einkaufen hätten wir uns zum Facelift eine verkleidete Ladekante gewünscht. Diese ist nach wie vor in Wagenfarbe lackiert und bekommt daher wohl rasch viele Kratzer. 

Leider gab es auch standardmäßig keine Armlehne, diese kann und sollte optional bestellt werden. 
Über die Batteriemiete lässt sich streiten, aber es geht ja auch ohne.  
Unter dem Strich hat die ZOE deutlich gewonnen und ist wesentlich alltagstauglicher geworden – und damit nicht nur wieder auf Augenhöhe mit der Konkurrenz, sondern auch in der Herzen der Liebhaber.

Model:  Renault ZOE
Location: Traiskirchen Stadtmuseum und Österreich allgemein
Fotocredit: Thomas Hausner

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